Weltmeisterschaft 2014

Büblingshäuserin besiegt im Finale Italien und holt Gold

Rebecca Jüngel vom RSV 1929 Büblingshausen, ist vergangenes Wochenende in Innsbruch Weltmeisterin im Mannschaftsspiel der Damen geworden. Die gebürtige Büblingshäuserin schaffte mit einer starken Leistung und einem 37:18 Finalsieg gegen Italien im Endspiel mit ihren Kameradinnen Maria Dialler (EC Fischbachau), Claudia Eder (SV Mehring), Doris Schubert (Neumühler EG) und Renate Schwindler (1. FC Neunburg vom Wald)den größten Erfolg ihrer Karriere. Doch der Weg bis dahin war für die gebürtige Büblingshäuserin im Dienste des RSV nicht grade einfach.

In der Vorrunde begann Jüngel am ersten Tag gleich in der Startaufstellung auf der „Königsposition“ des ersten Schützen. Und gleich legten die Deutschen Damen los! Gewohnt sicher gewannen sie die ersten drei Spiele gegen Italien (23:7), die Schweiz (34:8) und Tschechien (26:8), ehe der vierte Gegner, Erzrivale Österreich, der DESV-Auswahl ein Bein stellte. Mit 13:17 musste man sich das erste mal geschlagen geben. „Das war ein komisches Spiel“ stellte Jüngel nach dem Spiel fest. „Wir haben die ganze Zeit gut geschossen, doch Österreich hat uns ein wenig aus dem Konzept gebracht“. Da kam der Australien als Aufbaugegner im nächsten Spiel schon ein wenig mehr recht. Der Gegner aus Down Under wurde mit 26:6 besiegt. Die Selbstverständlichkeit war zurückgekehrt und die Damen zündeten wieder ihren Turbo und gewannen auch das letzte Vorrundenspiele gegen Brasilien (23:7).

Aktionsfoto der Weltmeisterin

In der Zwischenrunde beginnen die Damen zum ersten Mal zu straucheln

Am zweiten Rückrundentag begann Rebecca Jüngel erneut in der Startaufstellung. Doch diesmal lief es auch für die Büblingshäuserin nicht wirklich. Das erste Spiel gegen Italien wurde prompt mit 20:10 verloren. Zwar gewann man gegen die Schweiz mit 32:6 erneut deutlich, musste sich aber gegen den späteren Halbfinalgegner Tschechien erneut mit 19:9 geschlagen geben. Mit sechs Minuspunkten war die DESV-Auswahl auf Platz zwei abgerutscht. Eine weitere Niederlage und Jüngel wäre mit ihrem Team aus den Halbfinalrängen rausgeflogen. Doch diesmal zeigte Deutschland eine Reaktion gegen Österreich und gewann gegen den Erzrivalen und Gastgeber mit 23:5. Bundestrainer Rupert Geigl wechselte im Anschluss Maria Dialler aus. Für sie kam Doris Schubert ins Spiel. Mit Schubert bäumte sich die Mannschaft auf und blieb die restlichen Spiele gegen Slowenien (22:8), Australien (23:7) und Brasilien (22:3) ungeschlagen. Das Ticket zum Halbfinale war gebucht. Es ging gegen Tschechien.

DESV Damen jubeln

Im Halbfinale wird Jüngel ausgewechselt

Am dritten Wettbewerbstag standen nun die Finalspiele an. Neben Deutschland waren Italien, Österreich und Tschechien ebenfalls qualifiziert. Da Deutschland den ersten Platz nach den ersten beiden Runden belegt hatte, bekam die DESV-Auswahl den Viertplatzierten, also Tschechien, als Gegner zugesprochen. Eine unangenehme Aufgabe im Halbfinale. Das musste auch Rebecca Jüngel nach den ersten sechs Kehren einsehen. „Wir lagen 13:15 zurück. Ich habe in dem Spiel grade mal zwei Stöcke getroffen und der Bundestrainer hat mich dann folgerichtig ausgewechselt. Ich war nervös, es lief gar nichts zusammen“ gestand die Büblingshäuserin. Für sie kam wieder Maria Dialler ins Spiel. Deutschland drohte nach einem erneuten „Dreier“ der Tschechen das Spiel zu entgleiten. Doch einen unaufmerksamen Moment der Tschechen nutzten die Damen aus um in der letzten Kehre auf neun Stockpunkte davonzuziehen. Diesen Vorsprung ließen sie sich nicht mehr nehmen. In der Endabrechnung stand dann ein 30:24 Sieg für die Deutschen zu Buche. Parallel schlug Italien in einem spannenden Spiel Österreich mit 24:21. Das Finale gegen Italien war perfekt!

Jüngel erhält das Vertrauen vom Bundestrainer und zahlt alles zurück

„Ich habe nicht damit gerechnet nochmal zu spielen, nach dem ich so schlecht war im Halbfinale. Doch Rupert hat mir das Vertrauen im Finale gegeben“ erklärte die Büblingshäuserin nach dem Turnier. Am vierten und letzten Wettbewerbstag stand das große Finale gegen Italien an. In der Startaufstellung standen Schwindler, Jüngel, Eder und Schubert. Und es wurde anfangs der erwartet heiße Tanz. Mit 0:8 nach zwei Kehren legte Italien vor. Deutschland unter Zugzwang zog mit 5:8 nach. 12:8… 15:8… 20:8. Die Damen vom DESV übernahmen nun die Initiative im Spiel. Angeführt von einer bärenstarken Rebecca Jüngel bauten sie ihre Führung auf 23:8 aus. In der achten Kehre kam Italien nochmal auf 23:11 ran, aber alle Bemühungen der Südtirolerinnen waren vergebens. In der elften Kehre war es keiner anderen als der Büblingshäuserin vorbehalten den letzten, entscheidenden Stock zu schießen. Mit einem Siebener beendete Jüngel das Spiel bereits eine Kehre früher mit 37:18. Der Rest wurde im Jubel der 3000 fanatischen Zuschauer auf den Tribünen erstickt. Deutschland war Weltmeister.

„Ich kann noch mehr“

„Realisiert habe ich das erst einen Tag später bei der Heimfahrt. Nach dem Turnier war ich einfach überglücklich, aber auch völlig fertig“ erklärte Jüngel nach ihrem größten Erfolg. Nach der Europameisterschaft 2009 trat die Büblingshäuserin wegen Unstimmigkeiten mit dem damaligen Bundestrainer Ludwig Baumgartner freiwillig aus dem Nationalkader aus. Als Rupert Geigl 2013 den erfolglosen Baumgartner nach einer grauenhaften EM ablöste, formte dieser eine ganz neue Mannschaft mit neuen Charakteren. Auch Rebecca Jüngel gehörte dieser Auswahl an und strafte mit ihrem Titelgewinn alle Kritiker lügen. „Als Nicht-Bayer ist man immer noch Ausländer in diesem Sport. Manche sehen es nicht gerne wenn so jemand dann in die ‚bayrische Nationalmannschaft‘ reinkommt“ gestand Jüngel nach dem Turnier und verriet dabei schon ihre sportlichen Pläne in der Zukunft: „Aber nur weil ich jetzt Weltmeisterin bin will ich nicht aufhören. Wenn es die berufliche und private Situation zulässt will ich in der Nationalmannschaft auf jeden Fall weiter machen. Ab jetzt konzentriere ich mich aber wieder auf den RSV.“ Die nächste Titelchance hat Jüngel nächstes Jahr bei der EM in Winklarm und danach bei der Weltmeisterschaft in Italien am Ritten. Und wer weiß, Weltmeisterschaft im eigenen Land ist ja auch ein Anreiz.

Weltmeisterin 2014 - Rebecca Jüngel